Ich bin tatsächlich dankbar dafür, dass ich dem Kinderthema und auch der Frage danach in meinem Umfeld selten bis gar nicht begegne oder die Möglichkeit habe es gekonnt zu umschiffen. Denn Kinder sind für mich kein Thema. Die Berührungspunkte sind verschwindend gering und das Interesse – vielleicht auch gerade deswegen – minimal. Nicht aus einer generellen Abneigung heraus. Es fühlt sich für mich aktuell einfach eher nach einem Thema an, dem ich lieber aus dem Weg gehe. Ähnlich wie der Steuererklärung. Irgendwann muss man sich wohl damit auseinandersetzen. Aber das hat ja noch Zeit oder etwa nicht? Bis die mir die Menopause also nicht mit strengen Blick im Nacken sitzt, steht bisher nur eines fest: Kinder sind für mich eine Option. Kein Muss, nicht ausgeschlossen. Und damit scheine ich ziemlich allein dazustehen. Jedenfalls hatten all meine bisherigen Gesprächspartner eine klare Position. Ja oder Nein. Schwarz oder Weiß. Erfüllung und Lebenssinn oder Katastrophe und unvorstellbar. Jahrelang habe ich mich auch positionieren können. Kinder gleich Kopfschuss. Warum das jetzt nicht mehr so ist und wieso ich mich frage, warum es nicht mehr Optionen und weniger Druck geben kann, erfahrt ihr in diesem Beitrag. Viel Spaß beim Lesen und Gedanken teilen.

Kinder: Option aber kein Muss – geht das überhaupt?

Ich muss zugeben, dass ich früher recht radikal war und mir meine Abneigung gegenüber dem Gedanken Kinder zu bekommen, gar nicht so recht erklären kann. Inzwischen bin ich weniger rigoros, aber schmiede dennoch keine Pläne. Wo andere Frauen, auch Freundinnen, langsam beginnen sich auf ihre Mutterrolle vorzubereiten und bei dem Gedanken mit 30 noch nicht verheiratet zu sein in Panik ausbrechen, herrschen bei mir nach wie vor andere Prioritäten. Ich habe in meinen frühen Zwanzigern gedacht, dass sich das irgendwann bestimmt ändert. Das das berühmte Ticken der biologischen Uhr dringlicher wird. Das mich Babys verzücken und die Aussicht darauf ein Neugeborenes zu sehen Vorfreude und keine Panikattacke auslöst. Das ist nie eingetreten. Und ich rechne auch nicht mehr damit.

Ich bin weniger rigoros, der Wunsch, wenn man überhaupt von einem sprechen kann, ist aber nicht dringlicher geworden.

Fangen wir doch einfach einmal ganz von vorne an. Gedankenexperimente sollen ja bekanntlich dabei helfen Entscheidungen zu erleichtern oder sich auch selbst über seine eigenen Wünsche klarer zu werden. Ich stelle mir also vor ein Kind zu haben, eine Mutter zu sein und in dieser Rolle aufzugehen. Okay, los gehts: Kim schwanger. Kim mit Kinderwagen. Kim singt Schlaflieder. Kim muss Windeln wechseln, Sabberfäden wegwischen, ein Kind bespaßen. Ich bekomme bei diesen Gedanken langsam aber sich Gänsehaut und Unwohlsein. Wir beenden wohl lieber das Experiment. Ist es nun gelungen oder gescheitert? Schon allein der Gedanke daran mein jetziges Leben mit all meinen Plänen und Zielen, die ganz klar vor allem beruflicher Natur sind und damit verknüpft auch meiner Leidenschaft entsprechen, an zweite Stelle zu stellen, ist für mich undenkbar.

Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Kind meiner Generation bin. Ein Kind der egoistischen Selbstverwirklichungsgeneration.

Diese Schneeflocken, die neben sich und ihrem Glanz nichts und niemanden wollen, der sie davon entfernt. Die vor allem sich selbst mit den eigenen Fähigkeiten, Wünschen und Träumen an erster Stelle sehen. Uns steht alles offen. Du kannst alles werden, wenn du nur an dich glaubst. Und ja so ein bisschen klingt das nach Disney und wo wir schon bei Disney sind, da muss ich auch an Peter Pan denken. Denn wenn du ein Kind hast, dann bist du endgültig erwachsen. Irgendwie. Denn du bist jetzt nicht mehr nur Kind, du bist Mutter und du bist Vater. Du kannst nie wieder zurück. Du trägst die Verantwortung, für immer. Sich ab diesem Zeitpunkt noch dauerhaft und passioniert an die erste Stelle im eigenen Leben zu stellen ist utopisch. Es ist unfair, es ist unverantwortlich und würde wohl alle Beteiligten unglücklich zu machen.

Ich möchte nicht zu den Eltern gehören, die ein Kind neben beruflicher Selbstverwirklichung als weiteres Projekt betrachten, das es zu optimieren gilt.

Als Lifestylefaktor, der „ja dazugehört“, als abgehakten Punkt auf der Liste und am besten natürlich schön integriert in das immer strahlende Onlineleben. Läge ja nahe bei mir. Ist aber ziemlich fern von meiner Realität. Ich will damit nicht sagen, dass man nicht auch als Elternteil seine eigenen Wünsche und Träume genauso ehrgeizig, erfolgreich und leidenschaftlich verfolgen kann. Ich will aber wohl sagen, dass es anders und herausfordernder ist, als davor. Das sich mit Sicherheit die Schwerpunkte verlagern. Das der Wein am Abend mit Freunden eben dem Familienkuscheln auf dem Sofa vorgezogen wird. Das Urlaube und Ausflüge eben nicht mehr spontan, sondern von nun an mit Rücksicht und Vorbereitung ablaufen müssen. Das deine Zeit nicht mehr nur dir gehört. Das fühlt sich mit Sicherheit wunderschön, vollkommen und erfüllend an, wenn man den Wunsch danach hat. Sich darauf einlässt oder auch an der neuen Aufgabe wächst.

Ich bin allerdings lieber selbst noch das Kind, das mit einem Funkeln in den Augen die Welt entdeckt.

Ich möchte die Möglichkeiten, die sich bieten sofort nutzen. Unabhängig jede Freiheit genießen. Mich selbst und meine Bedürfnisse kompromisslos in den Mittelpunkt stellen. Diese Freiheiten des ungebundenen Lebens zumindest noch so lange auskosten, wie es sich gut anfühlt. Kein schlechtes Gewissen haben müssen, weil ich eben gern mich als Nummer eins in meinem Leben sehe. Noch. Vielleicht wird ja aus der Option dann auch irgendwann ein ganz unbedingtes Muss. Oder besser: ein unbedingter Wunsch. Oder eben auch nicht. Bis dahin genieße ich die Abstinenz all der Gespräche, die auf eine Positionierung zum Thema „Kinder“ herauslaufen. Denn es gibt keine. Zumindest nicht endgültig.

Share on

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

One thought on “Kinder: Option aber kein Muss – geht das überhaupt?

  1. Ich finde da muss jeder seinen Weg finden und es gibt heute zu Tage so gute Medizin, das man auch mit Ende 30 oder später Eltern werden kann. Ich bin damals ganz früh Mutter geworden und habe daher dein Leben in der Art nicht kennen gelernt. Aber jeder soll glücklich sein. Ich finde deine Einstellung aus jeden Fall gut. So ein Gedankenexperiment bringt an der Stelle aber meiner Meinung nach nicht so viel. Denn du kannst da die Liebe zum Kind nicht mit einfließen lassen. So wie jemand sich unbedingt ein Kind wünscht und die ganze verbundene Arbeit gerne mal ausblendet:)

    Liebe Grüße
    Fio